Isole e Olena

Mit Isole e Olena verbindet Scala Vini eine zwanzigjährige Zusammenarbeit. Paolo de Marchi war damals gerade daran, die grossen Möglichkeiten der San Giovese Traube voll auszuschöpfen. Sein Cepparello, der seit 1981 produziert wird, ist für mich ein Klassiker und Prototyp des Chianti-Gebiets geblieben. Wer das Glück hat, den 1986-er mit seiner heute noch beerigen Eleganz oder den 90-iger, der immer noch gut ein paar Jahre Lagerung verträgt, zu probieren, begreift die Grösse der San Giovese Traube. Es gab Jahre, wo auch Paolo am Potential dieser Traube zweifelte, was auch bei ihm, wie bei vielen Weingütern Italiens, zur Pflanzung von französischen Sorten (Cabernet Sauvignon, Sirah, Chardonnay) geführt hat. Im Unterschied zu andern hat er diese jedoch nicht für die klassischen San Giovese Weine verwendet, was sich vor allem im Chianti Classico zeigt. (aus San Giovese und Canaiuolo). Mit seiner unglaublichen Feinheit und Eleganz stellt er das Gegenbild dar zu den mit Cabernet und Merlot verunstalteten Weine desselben Namens. Traurig ist nur, dass genau der Vorrreiter des Chianti oft für diese Eleganz kritisiert wird und die dunklen, groben mit Holz (und Holzschnipseln) behandelten Chianti Erfolge feiern. Es wäre nicht Paolo, wenn er nicht die französischen Sorten, reinsortig ausgebaut, ebenfalls zu ernstzunehmenden Vertretern entwickelt hätte. Heute steht Paolos Cabernet und Sirah neben seinen französischen Kollegen bestens da. Nicht viele in Italien können das von sich behaupten. Wenn man den Chardonnay aus dem Jahr 2004 mit seiner extrem filigranen und komplexen Eleganz probiert hat, zweifelt man an vielem, was in der Heimat des Chardonnay in die Flasche gefüllt wird. Nicht zu vergessen ist aber der Vin Santo aus natürlich getrockneten Trauben, der 4-5 Jahre ohne Umzug in den sogenannten Caratelli auf der von Jahrgang zu Jahrgang erhaltenen Hefe liegt. Der goldene Wein, der in die Flasche kommt, ist ein grosser Süsswein mit reicher Aromatik von Nüssen, Rosinen und Honig und extrem langem Abgang. Dass seit kurzem der Sohn Luca mit frischem Elan die Weine im unterdessen neu gebauten Keller pflegt, freut mich ausserordentlich und darf für Paolo Genugutuung sein, dass sein Vorbild auf fruchtbaren Boden gefallen ist.